Nicht zuletzt seit Jules Vernes berühmten und mehrmals verfilmten Roman “In 80 Tagen um die Welt” (1873) wurden die Menschen immer wieder dazu angespornt, den Erdball zu umkreisen. Schon über 350 Jahre früher gab es die ersten Weltumrundungen. Und war man anfangs noch auf das Segelschiff angewiesen, kam ab dem 20. Jahrhundert auch noch das Flugzeug hinzu. Auf einige Weltumsegler und -flieger soll in diesem Artikel eingegangen werden.
Der echte Phileas Fogg
Der Amerikaner George Francis Train war Kaufmann, später Schriftsteller und schon immer ein begeisterter Reisender gewesen. Er ist es, der Pate für Vernes Roman stand. Nach der Eröffnung des Suezkanals und der Fertigstellung des amerikanischen Eisenbahnnetzes im Jahre 1869, wollte Train die Welt in möglichst kurzer Zeit umrunden. Dabei benutzte er hautsächlich Schiffs- und Zuglinien und schaffte es vom seinem Startpunkt New York über San Francisco, Japan, Hongkong, Saigon, Singapur, Marseille, Lyon, Liverpool wieder nach New York zurück und zwar in genau 80 Tagen.
Allerdings hätte er noch schneller sein können, aber der exentrische Reisende wurde in Lyon verhaftet und musste dreizehn Tage in einer Gefängniszelle verbringen. Das Schiff von Liverpool nach New York erwischte er dadurch in letzter Sekunde. Train unternahm diese Reise noch drei weitere Mal und schaffte es bei der letzten Reise seine erste Zeit um 20 Tage zu unterbieten und erreichte nach 60 Tage wieder seinen Startort. Seine letzten Worte sollen “Ich bin Phileas Fogg” gewesen sein, er war zeit seines Lebens sauer auf Vernes, weil dieser nicht Trains Namen für die Hauptfigur verwendete.
Die Segelschiffe bezwingen die Erdkugel
Doch Train war selbstredend nicht der erste Weltumrunder. Juan Sebastián Elcano umrundete als erster Europäer die Welt mit einem Segelschiff. Er fuhr unter dem Kommando von Magellan und stach 1519 von Spanien aus in See. Nach Magellans gewaltsamen Tod im Jahre 1521 übernahm Elcano das Kapitänsamt und führte aber nur eines der fünf gestarteten Schiffe wieder zum Heimathafen zurück. Zwar überlebten nur 18 der 256 Mann starken Anfangsbesatzung, aber Elcano wurde trotzdem geehrt, weil er Gewürze mit nach Hause brachte und die Kugelform der Erde nun endgültig bestätigt war. Da fiel der Tod der Seeleute nicht ins Gewicht.
In den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten stieg die Zahl der Weltumseglungen dann stark an. Geschwindigkeitsrekorde stellte man zunächst einmal nicht auf, schließlich handelte es sich in der Regel um Expeditionen, die in Ruhe durchgeführt wurden. Erst im 20. Jahrhundert versuchte man mit der technischen Weiterentwicklung in der Seefahrt, die Weltumseglung in besonders kurzer Zeit zu schaffen. Im März 2010 knackte Franck Cammas mit seiner Crew die 2005 aufgestellte Bestzeit des Franzosen Bruno Peyron, der ca. 51 Tage gebraucht hatte. Cammas brauchte nur 48 Tagen, 7 Stunden 44 Minuten und 52 Sekunden, obwohl er wegen schlechter Winde eine längere Alternativroute wählen musste. So ist es wahrscheinlich, dass dieser Rekord auch nicht lange Bestand haben wird.
Von Fliegern und Raumfähren
Am 17. Dezember 1903 startete die Flugmaschine der Gebrüder Wright zum ersten Mal und legte die heute wohl eher als kläglich anzusehende Strecke von 40 Metern zurück. Doch nur 21 Jahre später unternahmen 4 Piloten der US-Armee den Versuch, mit Ihren Douglas World Cruisern die Welt zu umrunden. Und tatsächlich kamen zwei der Maschinen nach 175 Tagen wieder in Seattle an. Somit war die erste Weltumrundung per Flugzeug, genau wie zuvor mit dem Segelschiff, eine eher gemächliche Angelegenheit. In der Folge schaffte man es, diese Zeit stark zu verkürzen.
Das Luftfahrtschiff Graf Zeppelin (das einzige Luftschiff, welches die Welt umrundet hat) schaffte nur fünf Jahre später fast 50 000km in sechs Etappen und 35 Tagen. Den Rekord für die schnellste Weltumrundung hält seit 1995 die Concorde, sie brauchte nur knapp 31 ½ Stunden. Auf der Erde war bisher noch niemand schneller, im Weltraum muss sich allerdings auch der Überschallflieger geschlagen geben: Die Raumfähre Columbia braucht für die Erdumrundung nur schlappe 90 Minuten. Bei der Reisezeit würden Sie manchen Film nicht zu Ende schauen können.
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