Begeisternd fanden es die Reeder im ausgehenden 19. Jahrhundert nicht, dass ihre Passagierschiffe im Winter nutzlos im Hafen lagen und Geld kosteten, aber keines einnahmen. Denn der Nordatlantik war nicht planbar zu befahren und so suchte man nach einer Idee, wie man auch in den kalten Wintermonaten Passagiere befördern konnte. Den entscheidenden Einfall hatte dann Albert Ballin, der im Vorstand der HAPAG Reederei saß.
Eine Seefahrt die ist lustig…
Er schlug 1891 vor, die Passagierschiffe für Fahrten in wärmere Gefilde zu nutzen, namentlich der Mittelmeerraum. Dieser Einfall wurde begeistert aufgenommen und so startete die erste Kreuzfahrt von Cuxhaven aus. Man fuhr über Southampton, Gibraltar und Genua nach Kairo. Von da ging es über Jerusalem, Damaskus, Constantinopel (Istanbul), Athen, Malta, Neapel und Lissabon zurück nach Hamburg. An Bord befanden sich neben einflussreichen Reedern und Kaufleuten auch diverse Korrespondenten der Tagespresse sowie der Maler Christian Wilhelm Allers, welcher die Fahrt künstlerisch in seinem Bildband „Erinnerungen an die Reise der Augusta Victoria in den Orient“ aufbereitete.
Lange Zeit waren die Kreuzfahrten vor allem bei alten Damen beliebt. Diese wollten gerne die Welt bereisen, scheuten aber die ständigen Hotelwechsel auf solch einem Trip. So kamen Ihnen die großen Hochseedampfer wie gelegen. Für Luxus in Form aufwendiger Suiten und hervorragendem Essen war gesorgt. Die Abende waren mit Tanzveranstaltungen und anderen gesellschaftlichen Ereignissen gefüllt, so dass man zwar exotische Orte sah, sich aber dennoch wie zuhause fühlte.
…eine Seefahrt die ist schön
Da auf den Schiffen oftmals mehr Frauen als Männer eingecheckt hatten, engagierten die Reedereien Eintänzer, ein Beruf, der sich nach dem Ersten Weltkrieg entwickelt hatte. Arbeitslose Offiziere oder verarmte Aristokraten traf man recht häufig in dieser Tätigkeit. Die Eintänzer forderten Damen zum Tanz auf und unterhielten sie den Abend über. Da gute Manieren und ein elegantes Auftreten vonnöten war, kamen die Aristokraten und Offiziere perfekt dafür in Frage und waren auch auf den Kreuzfahrtschiffen sehr beliebt bei den Damen.
Heutzutage ist dieser Beruf weniger anzutreffen. Es gibt immer noch Hosts, die sich in den Gesellschaftsräumen um Gäste kümmern, aber nicht mehr in dem Umfang, wie es zu Beginn der Kreuzfahrten geschah. Überhaupt sind die Hochseereisen nicht mehr exklusiv für die oberen Zehntausend erschwinglich, auch die Mittelschicht sucht die Ozeanriesen im vermehrten Umfang auf. So wird der Luxus vergangener Tage nur noch vereinzelt geboten, die meisten derzeitig fahrenden Schiffe sind Hotels der gehobenen Mittel- bis Oberklasse.
Die letzten Ausläufer des Luxus
Doch Schiffe wie die Queen Mary 2 wollen etwas von dem aristokratischen Flair der ersten Kreuzfahrten zurückgewinnen, indem sie auf vollen Luxus setzen. So kostete 2004 eine der zwei 209 qm großen Duplex Suiten auf der Jungfernfahrt der Queen Mary 2 bescheidene 41 250€. Dafür kann man auf anderen Kreuzfahrtschiffen einige Urlaube bestreiten und ist trotzdem rundum gut versorgt. Aber wenn man bedenkt, dass Menschen 85 000$ für ein paar Sekunden Schwerelosflug in einer umgebauten Boeing 727 bezahlen, weiß man, dass alles relativ ist.