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Der Lincoln Highway: Vorläufer der amerikanischen Interstates

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Woran denken Sie, wenn Sie an Amerika denken? Erste Bilder in ihrem Kopf werden bestimmt die Großstädte wie New York oder San Francisco mit ihren Sehenswürdigkeiten sein. Und dann? Bei den meisten Menschen werden Bilder des Grand Canyon oder der weitläufigen Landschaften des Mittleren Westens vor dem inneren Auge ablaufen und die damit verbunden wirkende Freiheit. Man ist völlig eins mit der Natur und die schönen Landschaften werden nur gelegentlich von Straßen durchbrochen.

Karte des National Highway System (Zum Vergrößern anklicken)


Dieses Straßennetz, das National Highway System, ist gut angelegt worden, um möglichst effizient Reisende über Land zu transportieren. Prunkstück sind die Interstates, gewissermaßen das Äquivalent zu den deutschen Autobahnen. Es war 2006 das längste Autobahnnetz der Welt mit einer Gesamtlänge von 75 440km. Dem entgegen stand im gleichen Jahr das europäische Fernstraßennetz mit etwas über 60 000km. Und auch in der Gesamtstärke des Straßennetzes liegen die EU und die USA eng beieinander: So ist die Länge des US-Straßennetzes mit 6 465 799km angegeben, das der EU mit 5 454 446km. Wenn man allerdings bedenkt, dass die EU nur ca. halb so groß wie die USA sind, ist die Länge des Streckennetzes auf den ersten Blick natürlich prozentual gesehen viel länger als das der Vereinigten Staaten.

Der Lincoln Highway als Ausgangspunkt des Interstate Highway System

Auf der anderen Seite ist das Netz in Europa natürlich auch deswegen besser ausgebaut, weil die EU einfach enger besiedelt ist, als die USA. Der Bau der Interstates begann 1956 und wurde von Präsident Eisenhower in die Wege geleitet. Inspiriert wurde dieser vom Lincoln Highway. Als junger Soldat hatte Eisenhower 1919 in einem Armeekonvoi die Vereinigten Staaten auf dem Lincoln Highway durchquert. Diese erste Kontinentalautobahn führte von New York bis San Francisco und die Gesamtlänge betrug 5 454km. Die Einweihung erfolgte 1913 und die Strecke führte durch zwölf Staaten von der Ost- zur Westküste. Jedoch war die Straße in keinem großartigen Zustand. So musste der Konvoi 1919 immer wieder Pausen einlegen, weil Brücken unpassierbar waren, Wagen im Schlamm feststeckten oder schlicht und ergreifend auf der Straße kaputt gingen. Dies wurde als Argument für ein besser ausgebautes Straßennetz ins Feld geführt.

Lincoln Highway


Ab 1921 wurde der Bau der National Auto Trails beständig fortgesetzt, z. T. in Form langer Routen wie dem Jefferson Highway, der National Old Trails Road oder dem Yellowstone Trail, aber zu einem großen Teil nur in lokal begrenzten Straßen. Diese Straßen wurden manchmal nur gebaut, damit die lokal organisierten Straßenbauvereinigungen ihre Berechtigung erhielten. Doch der Siegeszug der Highways war nicht mehr aufzuhalten und gegen Mitte der 1920er Jahre griff auch Washington stark in die Verkehrspolitik ein und übernahm diese schließlich völlig. Der letzte offizielle Akt der Lincoln Highway Association (LHA), welche unabhängig vom Bund die Straße gebaut hatte, fand am 1. September 1928 statt, als Pfadfinder um 13:00 Uhr an dem Lincoln Highway Betonmarker aufstellten, um die Strecke im Gedächtnis zu halten.

Renaissance des Lincoln Highway

Denn nachdem das Verkehrsministerium übernommen hatte, wurde die Betitlung der Highways mit Nummern eingeführt und der Name Lincoln Highway verschwand. Große Teile des Highways blieben als Route 30 bzw. parallel zu dieser bestehen, doch der Wunsch der LHA, dass die ganze Strecke als Route 30 weiterleben sollte, ließ sich nicht verwirklichen. Dennoch wurde der Lincoln Highway weiterhin in großen Ehren gehalten und die LHA wurde 1992 erneut gegründet und setzte sich zum Ziel, die noch existierenden Teile des Lincoln Highway instand zu halten, darunter fielen auch Raststätten, Tankstellen oder ähnliche Orte entlang der Originalroute. 2003 wurde dem Highway dann eine besondere Ehre zuteil, zum 90sten Geburtstag befuhren Mitglieder der LHA mit Oldtimern von New York nach San Francisco und benutzten so viele Teile der Originalstrecke wie möglich. Und auch die amerikanischen Pfadfinder ehrten den Lincoln Highway, indem sie das 75te Jubiläum der Errichtung der Betonmarker feierten. So wurde diesem Vorläufer der großen Interstates noch einmal eine besondere Ehre zuteil.

 

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