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5 irreführende Ortsnamen

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Ortsnamen haben oft eine interessante und z. T. abenteuerliche Geschichte. Im folgenden sollen einige geographische Namen vorgestellt und auch erzählt werden, wie sie (vermutlich) entstanden sind. Denn oft trügt der erste Blick auf den Namen, da unsere Vorfahren oft recht eigenwillig bei der Bennennung vorgegangen sind.

1. Nome in Alaska: „Kopieren Sie bitte meine Aufzeichnungen in die endgültige Karte ein.“

Anfangen wollen wir mit der Stadt Nome in Alaska. Die Region um Nome war lange Zeit lediglich Jagdgebiet der Inuit, bis Ende des 19. Jh. Gold gefunden wurde und infolgedessen eine Siedlung entstand, deren heutige Einwohnerzahl lediglich bei knapp 3500 liegt.
Bekannt ist die Stadt als Zielort des Iditarod Hundeschlittenrennens, welches an ein historisches Ereignis erinnert: 1925 musste über die Strecke von 1500 km Serum nach Nome gebracht werden, um eine Diphterieepidemie zu verhindern.

Der Name des Ortes hat zwei mögliche Wurzeln:

  • Er kommt wahrscheinlich von dem nahen Cape Nome, welches der Überlieferung nach den Namen durch einen Lesefehler erhielt. Ein britisches Schiff fuhr die Behringstraße entlang und ein Offizier beschriftete auf der Karte das Kap mit „? Name“, weil es unbekannt war. Der Kartenschreiber interpretierte dies jedoch als „C. Nome“ und trug so den Namen Cape Nome in die Karte ein.
  • Die Stadt könnte ihren Namen auch von dem Gründer Jafet Lindeberg erhalten haben. Der gebürtige Norweger lebte in der Nähe des Nomedalen (Nome Tal).

Wirklich auflösen kann man es heute aber nicht mehr.

2. Grönland: „Das habe ich mir nach der Beschreibung aber anders vorgestellt.“

Grönland (mit NASA World Wind aufgenommen)

Grönland, die größte Insel auf der Erdkugel (die kein Kontinent ist), dürfte das früheste dokumentierte Beispiel für irreführende Werbung sein. Um Isländern und seinen norwegischen Landsmännern die Besiedlung schmackhaft zu machen, benannte Erik der Rote die Insel in grünes Land. Man mag sich garnicht den Schock der Siedler vorstellen, als sie diese zu einem Großteil vereiste Insel das erste Mal gesehen haben. Denn obwohl die Insel an den Küsten auch eisfreie Perioden erlebt, ist der von Erik gewählte Name doch sehr euphemistisch.

Dennoch bildeten sich um ca. 1000 n. Chr. zwei gemischte Siedlungen aus Isländern und Norwegern im Südwesten der Insel. Bis 1500 hielten sich nordische Siedlungen auf Grönland, aber klimatische Umbrüche und Konflikte mit den Inuit sorgten für ein Aussterben der Siedler. Erst im frühen 17. Jh. nahm Dänemark wieder Kontakt mit Grönland auf und erhob Anspruch auf die Insel, welchen man mit Handelsbeziehungen untermauerte und bis heute hält.

3. Pazifischer Ozean: „Nach Kap Hoorn blieb uns das Wetter gewogen, das Wasser in diesem Ozean ist sehr ruhig.“

Die Ableitung des Namens Pazifischer Ozean fällt einem nicht sonderlich schwer. Der „friedliche“ Ozean wurde von Magellan so genannt, „Mar Pacifico“ (stiller Ozean) im Original. Der im Auftrag der spanischen Krone segelnde Portugiese und andere europäische Seefahrer hatten aber einfach nur Glück, dass sie kaum in heftige Stürme gerieten, als sie den nach Kap Hoorn liegenden Ozean befuhren.

Denn der Pazifische Ozean ist Sammelpunkt der schwersten Stürme und Wirbelstürme und berüchtigt für seine heftigen Taifune. Und auch Magellans Reise nahm kein friedliches Ende: 1521 starb er er auf der phillipinischen Insel Mactan durch den Häuptling des ansässigen Filipinostammes. Der Angriff war erfolgt, weil die Inselbewohner die Unterwerfung und Missionierung durch die Europäer nicht hinnehmen wollten.

4. Kap der guten Hoffnung: „Mein König, wie wollt Ihr die Landspitze mit den gefährlichen Winden und spitzen Felsen nennen?“

Die Umfahrung des Kaps der guten Hoffnung durch den portugiesischen Seefahrer Bartolomeu Diaz war von großer Tragweite. Man hatte eine Möglichkeit gefunden, um Indien komplett per Seeweg erreichen zu können. So erscheint der Name „Kap der guten Hoffnung“ als logische Konsequenz dieses damals großen historischen Ereignisses. Doch vermutlich hat das Kap an der Südspitze Afrikas zunächst einen anderen Namen getragen, der keinen so positiven Beiklang hatte: Cabo das Tormentas, das Kap der Stürme.

Diaz war nämlich in schweren Seegang geraten und noch heute zeugen mindestens 23 Wracks in Küstennähe von der Tücke dieser Meeresstelle. Denn auch bei einer weiträumigen Umseglung konnte einen der Wind wieder in Richtung der in Küstennähe liegenden Felsen treiben. Doch König Johann II. von Portugal wollte einen positiv besetzten Namen für das Kap haben, welches für die Seefahrer die Tore nach Indien weit geöffnet hatte und veranlasste so die Umbenennung in den heute geläufigen Namen.

5. Singapur: „Ich dachte hier gibt es gar keine Löwen.“

Ursprünglich hieß Singapur, der kleinste Inselstaat Südostasiens, im javanischen Dialekt „Temasek“, was Stadt am Meer bedeutet und aufgrund der Lage auch Sinn macht. Warum also hat sich der Name geändert und was bedeutet Singapur eigentlich? Der aktuelle Stadtname setzt sich aus zwei Sanskritwörtern zusammen: Singha steht für Löwe und Pura für Stadt, ergo Löwenstadt. Nun gibt es auf der Insel allerdings keine Löwen, wo rührt der Name also her? Wirklich auflösen lässt es sich leider nicht, aber es gibt drei Möglichkeiten, welche bis heute als Ursprungsmythos Bestand haben:

Merlion (Wasserfontäne in Singapur)

  • der Name leitet sich vom Merlion ab, einem Seeungeheuer mit dem Kopf eines Löwen und dem Körper eines Fisches (zusammengesetzt aus Mermaid & lion). Angeblich wurde dieses Monster öfter in Küstennähe gesichtet und ist heute das Wahrzeichen Singapurs
  • im 14. Jh. soll der Legende nach ein aus der Heimat vertriebener sumatrischer Prinz durch den Dschungel gelaufen und auf einen Löwen gestoßen sein. Der Prinz zückte sein Schwert und die beiden standen sich starr gegenüber. Als der Prinz aber in die Augen des Löwen sah, senkte er sein Schwert und das Tier ging friedlich seines Weges
  • eine ähnlich gelagerte Geschichte ist die von Prinz Sang Nila Utama, der laut den Malayischen Annalen von 1299 bis 1347 über Singapur geherrscht haben soll. Dieser wollte eine neue Stadt gründen und sah sich zunächst in Sumatra um, an dessen Küste er dann das Ufer Temasek sah, welches ihm als Siedlungsort zusagte. Sofort setzte er mit seinen Männern über und landete trotz eines schweren Sturms schließlich unbeschadet an der heutigen Bucht des Flusses Singapur. Dort erblickte er ein Tier mit rotem Körper, schwarzem Kopf und weißer Brust. Sein Berater sagte, dass dies ein Löwe sei und Sang Nila Utama nahm dies als gutes Omen an und nannte die Stadt Singapur. Wie schon erwähnt gibt und gab es auf der Insel aber wohl nie Löwen, vermutlich hat der Prinz einen Tiger gesehen

Wie Sie sehen können, sind Namen nicht immer das, was sie scheinen und auch manche Herkunft verliert sich wohl im Laufe der Zeit und es wird auch oft nicht mehr für definitive Klärung gesorgt werden können.

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